Familientag 1952

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Bericht über den Familientag am 30. August 1952

 

952.

In Seeshaupt am Starnberger See fand am 30, August 1952 die erste Zusammenkunft der vier lebenden Generationen der Familie Knote statt.

 

An einem strahlenden Herbstmorgen versammelten sich ungefähr achzig "Personen im Garten der Villa des ältesten Bruders der alten Generation - Manfred Knote,1 An blumengeschmückten Tischen reichte dort seine Witwe, Tante Elsbeth und seine Tochter Hanna den ersten Willkommenstrank.

 

Am Familientreffen nahmen teil:

 

Von der älteren Generation:

Kammersänger Onkel Heinrich Knote- mit seiner Frau Käthe, geb. Feilner - Tante Ella Hecker, geb. Knote, mit ihrem Mann, Universitätsprofessor und Kinderarzt Dr. Rudolf Hecker -Pfarrer Ferdinand Knote, mit seiner Frau Grete, geb.- Bernewitz -Tante Helene Knote, geb. von Wahl, Witwe von Kommerzienrat , Generaldirektor Onkel Gustav Knote.

 

Von der jüngeren Generation:

Die Kinder von Onkel Manfred Knote und seiner Frau Elsbeth: Hanna Knote, Mädi Hartmann, geb.

Knote, mit ihrem Mann, Dipl. Ing. Fred Hartmann, Manfred Knote mit seiner Frau Josy geb. Huber

 

Die Kinder von Tante Emma Rossmann, geb. Knote und ihrem Reichsbahnpräsident Willi Rossmann

Dipl. Ing. Rudolf Rossmann, mit seiner Frau Gerda, geb. Bartsch, Dr. Ing. Ernst Rossmann mit seiner Frau Elisabeth, geb. Hofmann, Emmi von Miller, geb. Rossmann, Herta Rheinfelder, geb. Rossmann

 

Die Kinder von Hermine Heirich , geb; Knote und deren Mann Civ. Ing. Carl Heirich,

Frau Dr. Edith Ebers, geb. Heirich, mit ihrem Mann, dem Kunstmaler Hermy Ebers und dessen drei Töchtern aus erster Ehe

Dr. Manfred Heirich mit seiner Frau Gertrud und deren. Töchter aus erster Ehe, Helga Richter,

Ilse Fitz, geb. Heirich, mit ihrem Mann, dem Schriftsteller Hans Fitz, Elsbeth Tröbst, geb. Heirich, mit ihrem Mann Waldemar Tröbst.
Die Kinder von Tante Ella Hecker, geb. Knote und ihrem Mann, Prof. Dr. Rudolf Hecker:

Landrat Dr. Peter Hecker mit seiner Frau Gretel, geb. Wittmann, Medizinalrat Dr. med. Hans Hecker mit seiner Frau Senta, geb. Fey, Direktor Dr. Ing. Eberhard Hecker (war dienstlich verhindert, bekundete aber schriftlich sein Interesse).

 

Die Kinder von Onkel Heinrich Knote und seiner Frau Käthe: Heino Knote  (er sandte schriftliche Grüsse aus Argentinien, die verlesen wurden), Frau Rautgunde Würdig, verw. Rolly Knote,

geb Ullersberger.

 

Die Kinder von Onkel Gustav Knote und seiner Frau Lene, geb. von Wahl: Carlo Knote mit

seiner Frau Ruth, geb. Breiten, Heinzi Knote mit seiner Frau Emmi, geb. Wehhofer,

Liesi Böttcher, geb. Knote.

 

Die Kinder von Onkel Ferdinand Knote und seiner Frau Grete, geb. Bernewitz:

Frau Gerutha Knote als Vertreterin ihres Mannes, Studienrat Dr. Walter Knote,

Angelika Hübscher, geb. Knote, mit zwei Töchtern Renate und Uli Hübscher aus der ersten Ehe ihres ebenfalls abwesenden Mannes, dem Chefredakteurs der Bayrischen Staatszeitung Artur Hübscher, Gnade-Maria Walther, geb. Knote mit ihrem Mann, dem Kunstmaler Karl Walther.

 

Von der jungen Generation;

Linie Manfred Knote:

Erika Hartmann mit ihren Brüdern Peter und Fred; Mani, Mirko und Norbert Knote.

 

Linie Emma Rossmann:

Angela und Michael Rossmann; Christl, Butzi und Dorle von Miller; Walpurga, Benedikt, Mechthild und Margret Rossmann; Margret und Peter Rheinfelder.

 

Linie Hermine Heirich:

Ayo und Veronika Fitz, Lilot, Christian - mit Braut Christiane Exler-und Wilke Tröbst.

 

Linie Gustav Knote:

Dorle und Steffi Knote Alexander Knote -u. Franz Mikorey

 

Linie Heinrich Knote:

Rolfi Knote seine Schwester Eva (Ute)

 

Linie Ferdinand Knote ;

Theodor Walther; Christi Knote und Christian Hübscher

 

Von der jüngsten Generation:

Petra Kinkele, die Tochter von Helga, geb. Fitz


 

Es dauerte geraume Zeit bis sich alle Festteilnehmer gegenseitig vorgestellt, begrüsst, umarmt und der verwandtschaftlichen Liebe versichert hatten. Viele, besonders von der jüngsten Generation kannten sich noch gar nicht, und die älteren hatten sich zum Teil jahrelang nicht mehr gesehen. Zur leichteren Orientierung versah Erika Hartmann jedes Familienmitglied mit der für seinen Zweig vorgesehenen farbigen Schleife. Auch hatte die Akademiestudentin einen schönen grossen Stammbaum gemalt, der jedem die Möglichkeit gab, sich Klarheit zu verschaffen.

 

Zum Eingang sprach Ilse Fitz, die Initiatorin dieses Treffens, - hatte sie doch mit grosser Energie eine Anregung von Ali Rossmann aufgegriffen und in die Tat umgesetzt - einige Begrüssungsworte und bat die Festgäste auf dem traditionellen Seeweg zur Dorfkirche zu wandern. Dort hielt am Familiengrab der Knotes Christian Tröbst, der einzige amtierende Geistliche in unserem Kreis, eine Ansprache. Wir standen unter alten Linden um die efeubewachsene Grabstätte herum. Unser Blick wanderte von den Inschriften zu beiden Seiten des Engels über die Grabtafeln hinweg zu dem Spruch: "Die Liebe höret nimmer auf",

Gedankenvoll verlor er sich manchmal auf der blauen Weite des Sees, während Orgelklänge aus der Kirche zu uns drangen.

Christian Tröbst legte seinen Gedenkworten die Bibelverse aus dem 2. Buch Mose, Kap, 20, 5-6 zugrunde:

"Denn ich, der Herr, dein Gott, bin ein eifriger Gott, der da heimsucht der Väter Missetat an den

Kindes bis in das dritte und vierte Glied, die mich hassen,

und tue Barmherzigkeit an vielen Tausenden, die mich lieb haben und meine Gebote halten." ,Wir aber sind Gesegnete, denn an diesem Tage des Gedenkens

und des Dankes für jene, an deren Gräbern wir heute stehen, erkennen wir die Barmherzigkeit, die uns durch des Herren Gnade zuteil geworden ist. Wir wissen, dass unsere Vorfahren in den entscheidenden Stunden ihres Lebens sein Angesicht gesucht und seine Nähe verspürt haben,"

„Aber in unseren Tagen herrscht der Geist der Zwietracht“ so fuhr
Christian fort.“ Die Gespaltenheit ist unser Schicksal. Der Mensch lebt heute nicht mehr im Zusammenhang mit der Natur und dem Lebenskreis, in den er hineingeboren ist. Wechsel und Unruhe sind in unser Dasein gekommen.“ Auch unser Inneres werde gespalten durch die schweren beruflichen und wirtschaftlichen Anforderungen. Sie lassen keine Zeit übrig, dass die Seele befriedigt werde. Dadurch entferne der Mensch sich immer mehr von seinem eigentlichen Lebenssinn und von Gott.

Es gäbe einen Weg aus der Zerrissenheit heraus, es sei dies das Wissen von wo man komme und wohin man nach Gottes Willen gehör^: in den Familienkreis, worin die eigenen Wurzeln liegen und der zugleich der Kraftquell für die Nachkommen sei.

Die heutige Zusammenkunft so vieler, sonst von den verschieden artigsten Interessen bewegten Menschen sei ein Ausdruck der tief in uns angelegten Sehnsucht nach Gemeinschaft. Darum wirke unser Treffen weit über den eigenen Rahmen hinaus als Beispiel eines lebendigen und kraftvollen Familiensinnes, der ein Schutzwall gegen alle Entwurzelungsversuche der Kriegs- und Nachkriegsjahr sei.

In zu Herzen gehenden Worten betonte Christian wie das heutige Fest erst zu einer Begegnung werden könne, wenn Gott unter uns sei.


 

Speisen und Unterhaltung sei es nicht getan, wenn wir nicht seine Anwesenheit fühlten.

In sein Schlussgebet schloss Christian alle nichtanwesenden Mitglieder der Familie ein.  Er gedachte der Verstorbenen, der Gefallenen und Vermissten, der Ausgewanderten und Losgelösten. Aus vollem Herzen sangen wir zum Abschluss der Feier

"Nun danket alle Gott".

 

Jeder hat wohl dankbar empfunden wie gnädig Gottes Schutz auf der Familie in den vergangenen Jahren der Zerstörung trotz manchen harten Schicksalsschlages gelegen hat.

 

Unvergesslich bleibt uns der Weg durch das von der warmen Herbstsonne erfüllte Dorf Seeshaupt nach Seeseiten. Vorbei am Rossmannhäusel, in dem wir zu Tante Emmas Lebzeiten

uns so oft zu Spiel und Feier versammelten und manch tröstliches verstehendes Wort von ihr erhielten, kamen wir zum Wirtsgarten an der Seeseitenerbucht.  Emmi von Miller hatte dort die Tafel unter den Kastanien geschmückt und die Sitzordnung getroffen. Ihre Tischkarten, vom Verlag Bruckmann auf ihre Voranlassung gestiftet, erweckten allerseits wegen ihrer sinnigen Gestaltung helles Entzücken.

 

Beim Frühschoppen hielt Onkel Rudi Hecker als Senior der Familie die erste Tischrede. Mit liebenswürdigen Humor berichtete er wie er zum ersten Mal in die Familie Horst-Knote gekommen sei. Damals war unsere Stammutter Emma Horst verw. Knote, geb. von der Nahmer, so recht die Mitte eines festgefügten Familienverbandes, Dieser habe sich dann in die verschiedensten Zweige entfaltet und drehte nach dem zweiten Weltkrieg ganz auseinander zu fallen. Darum sei der heutige Tag, der den Anfang mache zur Wiedervereinigung, für uns alle von Bedeutung.

Onkel Rudi meinte dann, er würde so oft gefragt, wieso er mit seinen 85 Jahren noch so jung sein könne. Vier Gründe glaube er dafür angeben zu dürfen; erstens sei es die Jugend der Familie, die so oft zu ihm und Tante Ella käme und sie beide immer wieder beschwingt und jugendfroh mache. Ganz besonders gelte dies für den heutigen schönen Tag. Ausserdem habe er drei Grundsätze, die sich bis zur Gegenwart bewahrt hätten. Einmal sei dies der griechische Orakelspruch

"Erkenne dich selbst"

Man müsse sein eigenes Inneres befragen, wenn man zu dem anderer Menschen Zugang finden wolle. Nicht den anderen dürfe man verkleinern, und sich selbst auf ein Postament setzen, aber man solle auch dankbar anerkennen, was man selbst Gutes von der Natur als Anlage mitbekommen habe. Damit müsse man haushalten, mit seinem Pfunde wuchern und es der Allgemeinheit zugute kommen lassen. Sein zweiter Wahlspruch sei:

"Nulla dies sine linea",

kein Tag ohne Plan, ohne geistige Grenzerweiterung, ohne Ausrichtung, ohne Ziel. Sein letzter Grundsatz gehe aus einem

Worte Beethovens hervor;

"Es gibt nichts grösseres für den Menschen, als der Gottheit sich zu nähern und ihr mit; allen seinen Möglichkeiten zu dienen."

 


 

Nebenher, schloss Onkel Rudi launig, gäbe es noch einige Regeln, die das Altern erleichtern könnten: wenig Weissbrot essen, viel Gemüse und Rohkost und als obersten Grundsatz Massigkeit in allem, was man zu sich nimmt. Doch äussere Mittel seien nicht so wesentlich wie die innere Ausgeglichenheit, die sich nur dann erlangen lasse, wenn man sich fest in der Hand habe, Onkel Rudi erzählte uns auch von dem Zusammenhalt, der bis heute zwischen ihm und seinen Konabiturienten besteht. Dies habe ihm manche Situation erleichtert und bis in sein hohes Alter hinein mit Dankbarkeit erfüllt. Um so mehr müssten Menschen gleichen Blutes sich zusammenschliessen und sich gegenseitig den Lebenskampf erleichtern.

 

Onkel Ferdinand sprach bei der Mittagstafel das Tischgebet.

Dann hielt Ali Rossmann eine Rede auf Onkel Heinrich. Der berühmte Sänger habe dem Namen Knote "Weltruf" verschafft. Aus Kindheitserinnerungen, die im Anschluss daran berichtet wurden, ging hervor, dass Onkel Heinrich ein wahrer Freund der Jugend ist. So weit er konnte habe er sie an seinem reichen und bewegten Künstlerleben teilnehmen lassen.

 

Eine sehr eindrucksvolle, rhetorisch gut gestaltete Rede hielt Peter Hecker beim Abendessen. Er teilte die Familie in zwei Kategorien ein. Die einen seien die durch Blutsbande vereinten echten Knotes, die anderen die "Zuagroasten". Gerade für sie zeigte Peter viel Verständnis und hob ihre Einfühlungsgabe hervor. Mit psychologischem Scharfblick analysierte er die spezifischen Knote-Eigenschaften, das ursprüngliche Temperament Grosszügigkeit und Unternehmungsfreude, eine Ungebundenheit des Wollens und Handelns, - es muss etwas grosses gekauft werden wenn gerade gar kein Geld da ist, - aber auch die Anpassungsfähigkeit an gegebene Lebenslagen, - es geht eigentlich nicht, aber es geht doch immer wieder. Der gesunde ökonomische und praktische Sinn übertöne doch nie die Liebe zu allem Musischen und Schönen. Das Dasein wolle man geniessen und sich darüber freuen wenn andere daran teil haben. Kurz, die heitere aufgeschlossene und lebensbejahende Grundstimmung gibt das Charakteristikum für alle Knotes. Darum sei es der Generation unserer Eltern auch gelungen, uns eine so unvergleichlich schöne Jugend zu bereiten,

Peter sagte in unser aller Namen Dank dafür und hat damit ein uns alle bewegendes Gefühl in Worte gekleidet, dessen wir uns an diesem Tage so recht bewusst wurden. Zum Schluss forcierte Peter die nächste Generation auf, darüber nachzudenken, welche Kraft ein geschlossener Familienverband darstelle, dass er aber auch die Verpflichtung mit sich bringe, sich gegenseitig Vorbild und Ansporn zu sein.

Die Studienreferendarin Lilot T r ö b s t nahm als Vertreterein der jungen Generation Peters Worte auf und führte seine Gedanken weiter. Sie betonte wie beglückend es für sie und ihre Vettern und Cousinen sei, einmal Jene Menschen in Fleisch und Blut zu sehen, von denen sie bisher nur aus den Erzählungen ihrer Eltern gehört habe und die darum teilweise schon "legendäre Gestalten" gewesen seien. Sie wies darauf hin, wie viel schwerer und durch Kriegswirren bedroht die eigenen Kinder- und Jugendtage waren, und wie schmerzlich ihre Generation empfinden musste, dass sie nicht so unbeschwert leben konnte wie ehedem die der Eltern, Onkel Peter dürfe versichert sein, dass sein


 

Ruf nach Zusammenhalt gehört werde, denn gerade die Jungen hätten es schon erfahren, wie bedrückend es ist, sich isoliert zu wissen und wie stärkend das Bewusstsein sei, einer grossen

Familie anzugehören.

Nach dieser Rede war der Bann gebrochen und viele meldeten sich zum Wort. Es können darum nicht alle Ansprachen im einzelnen wiedergegeben werden. Es sei nur noch der Gedanke erwähnt, den Alis älteste Tochter, die Zoologie Studentin A n g e l a in wunderschönen, warmen Worten zum Ausdruck brachte: Sie lobte die "Knote-Väter", die sie als besonders liebevolle, fürsorgliche und vorausschauende Freunde ihrer Kinder bezeichnete.

 

Ilse Fitz hatte die einzelnen Reden anzusagen. Mit viel Witz und Charme versah sie diese Aufgabe. Es war reizend zu beobachten wie sie mit dem ihr eigenen Temperament ganz selbstvergessen den Herrn Landrat als Rednerpult benützte, ihm zur Bekräftigung ihrer Reden auf die Schulter trommelte oder seine sorgfältig geschlungene Krawatte hin und her zog. Sie führte auch unser Kinder ein, wenn diese ihre liebevoll einstudierten musikalischen Solonummern vortrugen. Eine sehr schöne, weiche Stimme lies s der älteste Sohn von Manfred Knote — M a n i - hören. Mit erstaunlicher Sicherheit trugen die Söhne von Mädi, Peter und Fred Hartmann mehrstimmige Volkslieder vor. Die vier Kinder von Erni, Walpurga, Benedikt, Mechthild und Margret überraschten uns mit einem sauber dargebotenen Instrumentalquartett.

 

Vor dem Abendessen hatten wir die grosse Freude, Onkel Heinrichs Stimme im alten, strahlenden Glanz zu hören. Ali Rossmann hatte ein Tonbandgerät mitgebracht, aus dem die seit unseren Kindertagen vertrauten Klänge der "Winterstürme", der "Gralserzählung" und anderer Wagner-Arien weit in den See hinaus erklangen.

Mit gespanntem Gesichtsausdruck, auf den Stock gestützt, hörte Onkel Heinrich zu, und die übermächtigen Klangwellen liessen seine Züge hell aufleuchten. Er nickte bei besonders bravourösen Stellen gleichsam sich selber zu und verbeugte sich am Schluss vor dem begeisterten Publikum - ganz wie ehedem als er auf den Bühnen Europas und Amerikas gestanden und Beifallsjubel entgegengenommen hat. Ergreifend war es zu beobachten, wie die Kinder sich selbstvergessen über das Tonbandgerät beugten und dem Wunder dieser Stimme lauschten. Der blonde Lockenschopf der Söhne von Heinzi und Liesi, die schönen Knabengesichter der Hartmannsbuben, die schon erschlosseneren Gesichter der älteren Jungens und schliesslich die vom Leben geprägten Köpfe unserer Vettern Ali und Peter.

Von bewunderungswürdiger Frische und Fröhlichkeit zeigte sich unsere allseits verehrte und geliebte Tante E l l a - die jüngste Schwester der alten Generation. Sie sollte wie ihre Bruder ein paar Worte ins Mikrophon sprechen, aber sie wollte einfach nicht. Von allen gedrängt, und weil Ali schon eingeschaltet hatte, sprach sie schliesslich folgende Worte:

"Dieser Apparat" läuft umsonst, denn ich halte keine Rede", fügte aber dann doch einige zu Herzen gehende Sätze hinzu,


 

in denen sie  ihrer Freude über das gelungene Zusammentreffen und Wiedersehen mit  all ihren Verwandten Ausdruck gab.

 

Mit unermüdlichem. Eifer agierte Peter Rheinfelder als Bildberichter.  Mit Leica und Filmkamera fing er die festliche Tafel unter den alten Kastanienbäumen und manch heitere Szene an ihr ebenso ein wie  die Gruppen nach Generationen gegliedert. Er krönte sein Werk noch am Spätnachmittag mit einer Gesamtaufnahme aller Festgäste, die sich auf der Seewiese vor dem Panorama der Dorf Silhouette und Benediktenwand auf wackeligen Wirtshausstühlen aufgebaut hatte.

 

Die geplante Ehrenfahrt im Motorboot trat Onkel Ferdinand mit einer Schar Kinder an, in deren Mitte stehend er an das Bibelwort "Lasset die Kindlein zu mir kommen" erinnerte.

 

Der ungetrübt schöne Tag - auch das Wetter hatte bis zum später; Abend ausgehalten - fand seinen Abschluss mit Tanz im Saal und lustigen Vorträgen von Hans und Ilse Fitz.

Alles war in heiterster Stimmung und versicherte sich gegenseitig aufrichtiger Sympathie. Nur die beiden Hunde,  Peters Boxer Strolli und Heinzis Rambo stürzten sich gelegentlich in rasender Wut aufeinander. Strolli bewies Familiensinn, als er zwei nicht dazugehörige Amerikaner knurrend des Saales verwies.

 

In seiner Schlussansprache dankte Peter allen Teilnehmer: Jeder hatte  sich auf  seine Weise dafür eingesetzt,  dass das zustande kommen konnte. Er verkündete den Beschluss, das Familientreffen alljährlich zu wiederholen. Der 26. August, Todestag der Grossmutter Horst, wurde  als der geeignetst Termin vorgeschlagen, auf den sich jeder rechtzeitig einstellen soll. Auch sei geplant, während der Wintermonate sich manchmal im Franziskaner zu treffen.

 

Unter dem Vorsitz von Onkel Ferdinand  vereinigte sich am nächsten Morgen, was in Seeshaupt noch anwesend war zu einem Frühschoppen in der Post. Dabei erzählte Geli von der Herkunft der Knotes und von der Nahmers. Leider sind ihr viele wertvolle Dokumente zur Familiengeschichte im Krieg verloren gegangen.

 

Besonders genossen wir die behagliche Kaffee-Abschiedsstunde bei Tante E l s b e t h Knote  im Wohnzimmer. Während die gute H a n n a unermüdlich Kaffee servierte, tauschten Alt und Jung Jugenderinnerungen aus, und hier kam noch manches fruchtbare Gespräch zustande.

 

Frohen Herzens verliessen wir, von den Seeshauptern zum

Bahnhof begleitet, das geliebte Dorf in dem Bewusstsein, reiche Erinnerungen mitzunehmen.

 

Darum sei allen noch einmal gedankt, die auf ihre Weise zum Gelingen beigetragen haben.  Ohne die grosszügige finanzielle Unterstützung einiger Vettern wären schon die Vorbereitungen nicht  durchführbar gewesen.


 

Und als in letzter Stunde ein drohendes Defizit am Horizont auf zog, waren es Carlo und Heinzi , die als echte Namensträger der Familie die Situation retteten. Ihre Schwester Liesi stellte spontan den ganzen Inhalt ihres Handtäschchens zur Verfügung und erleichterte damit den beiden einsatzfreudigen Sammlerinnen Senta und Emmi die Arbeit.

 

Besonders angenehm wurde es empfunden, dass Fred Hartmann, Peter Hecker und Hans Fitz zu zahlreichen Fahrten ihre Wagen zur Verfügung stellten.

 

Unsere Redner, die sich in überraschender Fülle meldeten, haben durch ihren geistigen Einsatz dem Fest Gestalt und Niveau gegeben und es dadurch weit über den Rahmen blasser Familiensimpelei erhoben.

 

Der alles umgreifenden Gemütsstärke von Ilse und Emmi gelang es, langjährige Missverständnisse und Spannung innerhalb der Familie vor der Zusammenkunft zu beseitigen. Dadurch lag ein besonderer Glanz der Liebe und Versöhnung über dem Fest und wir alle haben wohl empfunden, wie unser Gebet um Gottes Segen erhört worden ist.

 

Im Zusammenwirken der verschiedensten Kräfte sind durch diesen Familientag in uns allen wieder Quellen zum Strömen gebracht worden, die unser Dasein erquicken und sich zu einem Kraftstrom für die Zukunft vereinigen mögen.

 

 

 

Elsbeth Tröbst